Tuesday, February 3, 2015

Ich habe mit einem Unterwasserdinosaurier gekämpft


Eine gute Freundin und ich unterhielten uns über Narben und ich war der Meinung, dass sie ekelhaft aussahen, meinen Körper entstellten und mich sogar unattraktiv machten. Einmal kam ein Fremder im Einkaufszentrum auf mich zu und fragte unverblümt, warum ich eine Kellerassel als Tattoo auf meinem Arm hätte. Es war eine Narbe von einem Tumor, der in meiner Jugend entfernt werden musste, aber daran dachte er nicht.

Manche Wunden, die ich mir durch Missgeschicke zugelegt habe, sind inzwischen so gut verheilt, dass man sie nur sehen kann, wenn man ganz genau hinsieht. Einmal scherzte ein Doktor, dass meine Beine immer noch wie die eines achtjährigen Kindes aussähen. Manche Narben sind beim Bäume klettern entstanden, andere als ich zum x-ten Mal vom Einrad fiel, von anderen weiß ich gar nicht mehr wie genau sie zustande kamen. Und es kommen immer wieder neue hinzu. Vielleicht weil ich nicht aufhören kann, auf Bäume zu klettern und mir nun die Schienbeine an der Slackline, statt dem Einrad aufschramme.

Wenn ich meine Ärmer hoch rolle starren manche Leute neugierig auf meine Arme und fragen das, was bereits offensichtlich ist, woher ich denn diese rosa-lila-farbenen Striche hätte. Früher habe ich manchmal sarkastisch erwidert, ich hätte einen sehr wütenden Hamster, aber da erntete ich hauptsächlich genervte Blicke. Ich nehme an, ich könnte ihnen etwas über das Verlangen sich selbst zu spüren erzählen, und darüber wie man Gläser zerbricht und die Scherben benutzt um das eigene Blut zu sehen, aber die abwertenden Blicke hindern mich daran. Also sage ich einfach, ich hätte mir weh getan, und ignoriere weitere Fragen. Ich weiß gar nicht, warum die Leute fragen, wenn sie die Antwort entweder schon wissen oder gar nicht hören wollen.

Ich habe darüber nachgedacht, ein paar meiner Narben mit einem Tattoo zu bedecken, aber habe mich letztendlich dagegen entschieden. Meine Narben von Operationen und die Selbstverletzungsnarben erinnern mich daran, dass ich schlimmere Dinge überlebt habe, ich habe den Schmerz überlebt und ich bin immer noch hier. Das Leben ist manchmal ziemlich beschissen, aber ich habe es bis jetzt geschafft und das gibt mir Hoffnung, dass ich auch die nächste schlechte Zeit durchstehe.

Die Narben, die ich mir durch Missgeschicke und Unfälle zugelegt habe, erinnern mich zwar daran, dass ich vermutlich zu den verpeiltesten und tollpatschigsten Personen überhaupt gehöre, aber auch an die kleinen Abenteuer, die ich als Kind hatte. Wenn Du das Leben in der großen, weiten Welt genießt und kleine Abenteuer erlebst, wirst du Narben abkriegen, aber gleichzeitig wird dein Leben dadurch um einiges aufregender und lebenswerter.

Alle wollen einen perfekten Körper und ich bin nicht mal dran am perfekt sein und das ist in Ordnung. Ich habe akzeptiert, dass manche Menschen SV-Narben als eine Art sehen, Aufmerksamkeit zu erregen, weil ich selbst weiß, dass ich es aus anderen Gründen getan habe. Ich habe inzwischen keine Probleme damit, dass manche Leute meine Narben angeekelt betrachten, sie hässlich nennen (erst vor kurzem sagte mir jemand, ich sei ja wirklich hübsch, bis auf diese furchtbaren Narben…) und sie Kellerasseltattoo nennen, weil ich genau weiß, wie ich diese Narben bekommen habe und wie sie mich zu dem gemacht haben, was ich heute bin.

Wenn mich die Leute heute fragen, wie ich diese oder jene Narbe bekommen habe, erkläre ich einfach, dass ich einen Kampf mit einem Unterwasserdinosaurier hatte, das sollte ihre Neugier befriedigen.



No comments:

Post a Comment